Als eines Morgens zwei neue Arbeiter an der Baustelle erscheinen, fragt sie der Polier: keads es zwa zaumm? Daraufhin antwortet der eine: naa, i bin baggafoara, ea kead zaumm!
Neben der bereits besprochenen Vorsilbe da- gibt es im Dialekt einen weiteren Präfix, der hier viel umfangreicher und fantasievoller eingesetzt wird, als im Standarddeutsch: zaumm- (zusammen-). Er ist ein treuer Begleiter bei allen Tätigkeiten, bei denen etwas - was auch immer - in irgendeiner Form gesammelt, zerstreute Dinge zueinander gesellt, in eine gewisse Ordnung gebracht werden.
Um des Dialektes nicht Mächtige nicht weiter auf die Folter zu spannen: zaumm kean kann man als "zusammen gehören" verstehen, aber auch als "kehren, fegen". Dieses Wortspiel macht also den eingangs erzählten Witz aus. Auch folgende Wörter verstehen sich durchaus als Handlungen, die mit dem Zusammenführen oder in Ordnung Bringen von Gegenständen zu tun haben:
zaummschuasdan (auch: zaummbfisdan, zaummbandan, zaummschdobben) ist die abwertende Form von Zusammenbauen: beim Zusammenschustern klingt das Schimpfwort: du bisd a schuasda! an, für einen handwerklich unbegabten Menschen. Schon in Jakob und Wilhelm Grimms Wörterbuch (1838) heißt es: "schustern: auch sonst vielfach von stümperhafter Arbeit, pfuschen, etwas zusammenflicken"; Zusammenpfistern und -bandern heißt ebenso: etwas unprofessionell zusammenbauen (vergleiche: auddo-bandan: hobbymäßig oder im Pfusch Autos reparieren) wobei Zusammenpfistern die schlimmste Form des Pfuschs bedeutet: hier war kriminelle Unfähigkeit am Werk. Zusammenstoppeln schließlich gemahnt an die Art und Weise, wie die Teile miteinander verbunden werden: sie werden nur zusammengesteckt.
zaumm-maundschgan - man kann auch in der Küche einiges falsch machen: dieses Verb bedeutet so etwas wie zusammen-pantschen, bezieht sich aber hauptsächlich auf feste Inhaltsstoffe.
zaummroaln (meidlinger L!) ist ebenso ein Wort aus der Arbeitswelt (siehe auch: aufgwaan, umbeaddln, weangln, zaummschbeenln) und beschreibt die (unprofessionelle) Tätigkeit, bei der man mehrere Teile miteinander verbindet, indem man sie gemeinsam mit Draht umwickelt.
zaummschbeenln heißt, etwas mit Stecknadeln (schbee-nodln) fixieren, Textilien mit Stecknadeln provisorisch aneinanderheften.
zaummhoidn - neben der allgemein verständlichen Bedeutung zusammenhalten (z.B. transitiv: das Geld, intransitiv: gute Freunde) findet sich dieses Wort vor allem in der knappen aber gleichwohl unmissverständlichen Zurechtweisung hoids zaumm! halts Maul! (natürlich ist gemeint, man möge die babbaladua, also Unter- und Oberkiefer gefälligst beisammen lassen)
zaummgrochn - zusammenkrachen können in erster Line zwei Menschen, deren konkrete Vorstellungen über einen Sachverhalt diametral auseinander liegen. gesdan bini mid mein schwindlichn nochban zaummgrochd. i hob eam gfrogd, obs bei eam eibrochn haum, dasa aum sundog in da frua zum rosnmaan aufaungd!
zaumsaumsdan - dieses Wort hat es wohl nicht in viele Familien in der Stadt geschafft. Es kommt aus dem Umland von St.Pölten. Bei den Bauern war es früher üblich, den Hausputz immer am Samstag zu erledigen. Das heißt, der Sand, der am Küchenboden aufgestreut war und den Schmutz der Woche aufgesaugt hatte, wurde weggekehrt, und neuer Sand wurde aufgestreut. Dazu sagte man zaumsaumsdan
zaummrama - aufräumen. Sehr anschaulich können wir uns hier vorstellen, wie verstreute Dinge wieder zusammen an ihren Aufbewahrungsort gebracht werden. Es gibt auch eine übertragene Bedeutung, die gar nicht so häufig verwendet wird, aber wenn, dann sehr eindrucksvoll: wenn jemand, der vielleicht etwas Unruhe oder Chaos in eine Gesprächsrunde gebracht hatte, sein Gehen ankündigt, kann man ihm durchaus sagen: hosd rechd, ge haam, daunn is wenigsdns zaummgramd aa.
zaummloosn (von loosen: lauschen; vgl.: de loosa - die Ohren) Wenn jemand wieder einmal Gerüchte verbreitet, nachdem er sich aus verschiedenen Äußerungen, die er wo gehört hat, einen Reim gemacht hat, sagt man: dea hod wo wos zaummgloosd und jezd dazööda widara gschichdl.
zaummreden - Unsinn daherreden. heasd, wos redsdn zaumm? des schdimmd jo goa ned! was redest du da? das stimmt ja gar nicht! Zusammen-Reden kann man sich so vorstellen, dass mehrere Aussagen, die nichts miteinander zu tun haben, oder nicht in diesen Zusammenhang gehören, zu einem Satzganzen zusammengefügt werden - und daher scheinbar Unsinn ergeben. (analog dazu kann man auch andere Handlungen des Unsinns zeihen, indem man zaumm- davorsetzt: wos foasdn firan koarl zaumm - wie fährst du denn Auto? wos schreibsdn do firan bledsin zaumm - was schreibst du denn da für einen Unsinn? )
zaummzwiggn kann man nicht nur mit einer Zange. Dieses Verb beschreibt auch sehr bildhaft die Tätigkeit des musculus sphincter ani, wenn man schon große Not, aber keine Gelegenheit (sprich Toilette) hat.
zaummglaubm - eine Erweiterung des unspezifischen glaubm, also klauben. zaummglaubm heißt in erster Linie Dinge vom Boden aufsammeln, kann aber getrost mmer statt aufheben oder aufklauben verwendet werden, weil zaumm- einfach bodenständiger klingt als auf-
zaummessn - aufessen. Vielleicht sagt man das ja auch deswegen, weil ja laut einer alten Tischweisheit im mogn ee ois zaummkummd
zaummdelefonian - seit wir jederzeit mobiltelefonisch erreichbar sind, brauchen wir, wenn wir uns treffen wollen, das nicht mehr lang im Voraus planen, wir sagen: do delefonian ma uns no zaumm
zaummdringgn - Eine gemütliche alte Sitte am Ende eines Gasthausbesuchs. Man sagt nicht: trinkt aus! wenn es Zeit zu gehen ist, sondern: dringgds eich zaumm!
zaummboggn - boggds eich zaumm! heißt wörtlich packt euch zusammen! und meint: packt eure Sachen, macht euch reisefertig! (auch wenn die Reise nur nach Hause geht)
zaummdidschn ist das lautmalerische Wort für einen leichten Zusammenstoß, bei dem kaum mehr als das Geräusch "ditsch" entsteht. se san midn hian zaummdidschd: sie sind mit der Stirne zusammengestoßen.
Eine etwas andere Bedeutung kann zaumm bei manchen Wörtern annehmen, wenn es darum geht, ein Zusammensinken, -fallen, -stürzen oder ähnliches zu beschreiben, also einen Sachverhalt, bei dem Teile - bildlich gesprochen - wie Karten eines Kartenhauses oder die Wände eines einstürzenden Gebäudes zusammen-(einander zu) fallen.
zaummdraan - mi hods zaummdraad heißt: "ich bin ohnmächtig geworden": ich bin in einer Drehbewegung zu Boden gegangen. Man kann auch sagen i bin zaummgaunga (nicht zu verwechseln mit eigaunga: der is eigaunga wiara beemische leiwaund!)
zaummfian ist die weniger schlimme Variante vom kürzlich besprochenen dafian: mit einem Fahrzeug niederstoßen. während dafian letal ist, kann man zaummfian durchaus überleben.
zaummhaun kaputt machen. des haud mi zimlich zaumm heißt: das macht mich ziemlich fertig.
zaummscheissn - (vgl. das standarddeutsche "Anschiss") jemanden zusammenputzen, jemanden scharf zurechtweisen. Dieses Wort weist immer auf eine Hierarchie hin: zusammenscheissen kann man nur jemanden, der in der Hierarchie unter einem steht.
zaummbraggd (auch: zbraggd) - flach geschlagen, zerdrückt (ein bragga - Pracker ist ein Schläger) kommt praktisch nur in Form des Partizip II vor. Meistens sind es Kröten und Frösche, die der Automobilität zum Opfer fallen und dann am Pflaster kleben: im übertragenen Sinn kann man sagen: du ligsd do wiara zaummbraggde grod wenn jemand alle Viere von sich streckt.
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Mittwoch, 21. Juli 2010
Montag, 12. Juli 2010
waun wos ned zan damochn is
Nicht spezifisch St.Pöltnerisch, sondern typisch für alle bairischen Dialekte sind Verben mit der Vorsilbe da-, die, vor eine Handlung gesezt, ausdrückt, dass man nicht nur das Verrichten der Handlung meint, nicht nur den Versuch, sondern die (wenn auch knappe) Bewältigung. Oft werden solche Wörter in einem verneinten Satzzusammenhang verwendet, um auszudrücken, dass es eben nicht gelang, die Handlung zu beenden, etwas zu schwer, zu anstrengend, zu viel war, um die Sache zum Abschluss zu bringen.
Bei manchen Wörtern lässt sich der Präfix zwar mit er- übersetzen, aber der Dialekt ist viel erfinderischer als das Standarddeutsch, und so gibt es viele Wörter, die nur mit Hilfe einer Umschribung zu übersetzen sind.
Bei den meisten der folgenden Wörter lässt sich die Vorsilbe mit er- übersetzen. Interessanterweise sind viele der Begriffe Tötungsarten:
dadruggn (erdrücken)
dafian (von: führen; in etwa: jem. tot fahren) gesdan haums d kozz dafiad
dasauffm (ersaufen)
daschlogn (erschlagen)
dadränggn (ertränken)
daschiassn (erschießen)
daweaffm (in etwa: in Tötungsabsicht zu Boden werfen) de jungen kazzln haums dawoaffm
dawiagn (erwürgen)
dakena (erkennen) jezd howi ina one brüün scho glei ned dakend!
dakumma (erschrecken, intransitiv) jezd bini owa dakumma!
dalebm (erleben) das i des nu dalebm deaf!
dalinschd (erspäht) i hob di glei dalinschd, wiari ins wiadshaus einekumma bin
dawischn (erwischen) hobidi dawischd!
dazöön (erzählen) dazöö ma wos neigs
Bei manchen Wörtern lässt sich der Präfix zwar mit er- übersetzen, aber der Dialekt ist viel erfinderischer als das Standarddeutsch, und so gibt es viele Wörter, die nur mit Hilfe einer Umschribung zu übersetzen sind.
damochn (machen) es woa ned zan damochn es war nicht zu schaffen (Anmerkung: es steht zan statt zum, weil ein d folgt. Der St.Pöltner ist ein bisschen mundfaul und verschleift gern beieinander stehende Konsonanten. Man sagt ja auch nicht Sangd Böddn sondern Samböddn)
daboggn (packen) glaubsd, daboggda de brüfung? glaubst du, schafft er die Prüfung?
da-oaweiddn (arbeiten) in ana wochn is des scho zan da-oaweiddn in einer Woche Arbeit ist das schon zu schaffen
dadraan (drehen) de wossabibbm is so eigrosd, de is ned zan dadraan der Wasserhahn ist so verrostet, er lässt sich beim besten Willen nicht mehr drehen
dagreiffm (greifen) midde diggn handschuach dagreifi de dasdn von mein delefon ned mit den dicken Handschuhen kann ich die Tasten meines Telefons nicht bedienen
daglenga (hinlangen) daglengsdas? ist die Frage, ob jemandes Arm lang genug ist, um eine Sache zu fassen zu kriegen. gib ma bidschen di kegsdosn fom kosdn owa, i daglengs ned gib mir bitte die Keksdose, die am Schrank steht, ich erreiche sie nicht mit meiner Hand
dahoidn (halten) mia is des dabledd midde glasln owegfoin, i hobs nimma dahoidn mir ist das Tablett mit den Gläsern aus der Hand gefallen, ich habe es nicht mehr halten können, es war mir zu schwer
da-essn (essen) ma, is des a risnboazzion, des is jo ned zan da-essn! oh, ist das eine Riesenportion, das alles aufzuessen, schafft man ja gar nicht! (in der "Tante Jolesch" kommt sozusagen das Pendant dazu vor: angesichts der Riesenportion ruft einer: das wird ja morgen ned zum dascheissn sein!)
dagee (gehen) in ana schdund is de schdreggn ned zan dagee eine Stunde Gehzeit ist für diese Strecke nicht zu schaffen des wiad si scho dagee bis uma fire das geht sich schon aus bis Vier Uhr
dahean (hören) wos woa des fira duachsoge? i hobs ned dahead! was war das für eine Durchsage? ich konnte es nicht richtig hören!
darena (rennen, laufen) da Messi hod in Dschawi sein bass nimma darend Messi hat den Pass von Xavi nicht mehr erlaufen
daschiam (schieben) daschiabsdas, oda solli wen hoin, dea da hüfd? schaffst du's, es zu schieben, oder soll ich Hilfe holen?
daschneidn (schneiden) des gsöchde is so zaach, des is ned zan daschneidn das Selchfleisch ist so zäh, das läßt sich einfach nicht schneiden
dadrogn (tragen) ein böser Städter-Witz über die Landbevölkerung lautet: waasd, wiasd an bauan umbringa kaunsd? du schengsd eam mea ois wos a dadrogn kau weißt du, wie man einen Bauern umbringt? man schenkt ihm mehr als er tragen kann
dazaan (ziehen, schleppen) heasd, dei doschn is so schwer, de dazaasd jo fosd ned hör mal, deine Tasche ist so schwer, die kann man ja fast nicht schleppen
dazoin (zahlen) hau ma jo mei auddo ned zaumm, des kenddasd goa ned dazoin! beschädige nur ja nicht mein Auto, das kannst du dir gar nicht leisten!
Bei den meisten der folgenden Wörter lässt sich die Vorsilbe mit er- übersetzen. Interessanterweise sind viele der Begriffe Tötungsarten:
dadruggn (erdrücken)
dafian (von: führen; in etwa: jem. tot fahren) gesdan haums d kozz dafiad
dasauffm (ersaufen)
daschlogn (erschlagen)
dadränggn (ertränken)
daschiassn (erschießen)
daweaffm (in etwa: in Tötungsabsicht zu Boden werfen) de jungen kazzln haums dawoaffm
dawiagn (erwürgen)
dagladdschn (von: klatschen; in etwa: inflagranti erwischen) ea hod dschigg gschmuggld, auf da grenzz haums eam daun dagladdschd
dakumma (erschrecken, intransitiv) jezd bini owa dakumma!
dalebm (erleben) das i des nu dalebm deaf!
dalinschd (erspäht) i hob di glei dalinschd, wiari ins wiadshaus einekumma bin
dawischn (erwischen) hobidi dawischd!
dazöön (erzählen) dazöö ma wos neigs
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